1908–1940 1940–1945 1945–1949 1950–1965 1965–1976 1977–1998 1999–2009

»Auf Reisen mit dem Vater durch Spanien, Marokko und den Kanarischen Inseln hat sich mir damals, 15jährig, das südliche Licht und die Farbenpracht der Erlebnisse tief eingeprägt.«
(Ausst.Kat. Leverkusen 1966, o. S.)

Am 26. Januar 1908 wird Rupprecht Geiger als einziges Kind des Malers und Grafikers Willi Geiger in München geboren. Verschiedene Wohnorte und zahlreiche Reisen prägen seine Kindheit und Jugend. In der Hoffnung, sich eine neue Existenz in Madrid aufbauen zu können, geht Willi Geiger mit Frau und Sohn für eineinhalb Jahre nach Spanien. Die Familie bereist mehrmals das Landesinnere – Toledo, Granada, Sevilla, Cordoba –, verbringt drei Monate auf Teneriffa sowie drei Wochen in Tetuan.

Willi Geiger mit seinem Sohn Rupprecht, Florenz 1910
Willi Geiger mit seinem Sohn Rupprecht, Florenz 1910; Foto: Archiv Geiger, München

Rupprecht Geiger schreibt in jener Zeit Tagebuch und versieht es mit Skizzen, detaillierten Bleistiftzeichnungen und farbenfrohen Aquarellen: Interieurs, Stadtansichten und lichtdurchflutete Landschaften sind die ersten gemalten Zeugnisse, die bereits damals seine lebenslange Faszination für Licht und Farbe belegen.


Sein Vater ist ihm von Kindheit an durch seine künstlerische Tätigkeit ein Vorbild: Obwohl Willi Geiger nicht die Rolle eines Lehrers übernimmt, der Korrekturen in den Zeichnungen und Aquarellen seines Sohnes durchführt, eignet sich Rupprecht Geiger durch dessen Vermittlung weit reichende technische und kunsthistorische Kenntnisse an. Die Malerei bildet also von Anfang an seine ›natürliche Umgebung‹.

1925 kehrt die Familie nach dem Scheitern der neuen Existenzgründung in Spanien nach München zurück. Nach Beendigung der Schulausbildung beginnt Rupprecht Geiger ein Architekturstudium, zunächst von 1926 bis 1929 an der Kunstgewerbeschule München in der Architekturklasse des Neoklassizisten Eduard Pfeiffer.

»Immer schon hat mich die strenge einfache Form interessiert. In Skizzenbüchern sind kubische fensterlose Bauten, weiß vor tiefblauem Himmel oder Meer, die Motive gewesen. … Er [Eduard Pfeiffer] lehrte das Einfache, das nicht Überladene, um damit größte Wirkung zu erzielen. … Heute weiß ich, daß ich mich nach meinem Absprung von der Architektur zur Malerei diesen Gesetzen wieder verpflichtet fühlte. Ich glaube, hier liegt die Erklärung für die formale Strenge meiner heutigen Bilder.«
(Ausst.Kat. Leverkusen 1966, o. S.)

Von seinem Professor lernt er die strenge, aus den Renaissancebauten entwickelte architektonische Formensprache und deren Proportionsgesetze. Neben den Interieur-Studien in der Klasse unternehmen die Studenten unter der Anleitung Pfeiffers Reisen nach Paris und Italien, wo sie Detailskizzen und architektonische Maßaufnahmen von Gebäuden ausführen. Die Architekturzeichnungen eines verlassenen toskanischen Kapuzinerklosters bei Trevi, die er zusammen mit seinem Freund Karl Hirschbold anfertigt, zeugen von einem weiteren markanten Farberlebnis. Geiger hatte das Papier in Anlehnung an Giottos Fresken im Dom von Assisi tiefblau eingefärbt. Vor diesem blauen Hintergrund heben sich die reduzierten Formen von Grundriss, Schnitt und Ansicht farbig ab, so dass die Blätter aufgrund dieser farblichen Akzente architektonische und malerische Aspekte vereinen.


Nach dem plötzlichen Tod Pfeiffers absolviert Geiger zwei Jahre eine für den Architektenberuf damals benötigte, praxisbezogene Lehre als Maurer. Ab 1933 vertieft Rupprecht Geiger seine Studien mit einer zweijährigen Ausbildung (Bautechnik und Statik) an der Staatsbauschule München.


Nach seinem Abschluss arbeitet er als freier Architekt in verschiedenen Architekturbüros, u. a. im Büro des Münchner Architekten Oswald Eduard Bieber, bis zu seiner Einberufung im Jahre 1940. 1937 heiratet er die Architekturstudentin Monika, die Tochter von Oswald Bieber, mit der er zwei Söhne, Lenz 1938 und Florian 1940, bekommt.